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Ein Tunnel ist eine künstliche Passage, die durch einen Berg oder unter einem Gewässer oder einem anderen Hindernis (beispielsweise geheimer Tunnel von Sarajewo während des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren unter dem serbischen Belagerungsring oder geheime Fluchttunnel aus Ostberlin und der DDR nach Westberlin oder Spionagetunnel vice versa während der Zeit der Berliner Mauer) hindurch führt und Schienenfahrzeugen, Kraftfahrzeugen oder auch Schiffen sowie Fußgängern und Ver- und Entsorgungsleitungen eine Durchfahrt beziehungsweise einen Durchgang bietet. Er unterscheidet sich von der Galerie dadurch, dass er außerhalb der Zu- und Ausfahrt allseitig geschlossen ist. Sprachliche Herkunft Der Begriff Tunnel wurde in England (the tunnel) geschaffen, dabei lehnte man sich an das französische Wort 'tonnelle' an, welches blumenbewachsene, durchschreitbare Bögen zumeist aus Draht oder Holz bezeichnet. Das Wort wanderte weiter nach Deutschland und dann weiter zurück nach Frankreich (le tunnel). Die 'tonnelle' stammt übrigens wegen ihrer Form ab vom franzosischen Begriff für ein spezielles, großes Fass ('tonne'). Dieses Fass wiederum gab wegen seines Inhalts (etwa 1.000 Liter) der Gewichtsbezeichnung Tonne (1.000 kg) ihren Namen.
Tunnelarten Ein Scheiteltunnel ist ein meist kurzer Tunnel, der einen Berg meist knapp unterhalb eines Passes durchquert. An beiden Enden des Scheiteltunnels sind dann meist längere Auffahrtrampen an den Bergflanken vorhanden, wodurch die Streckenlänge erhöht wird, jedoch der Tunnel kürzer ausfällt. Ein Basistunnel führt durch einen Berg, jedoch ohne dass es steile Auffahrtrampen gibt, wodurch ein Basistunnel deutlich länger als ein Scheiteltunnel ausfällt. Ein Kehrtunnel wird in einem Berg geführt, jedoch nicht um diesen zu durchqueren, sondern um bei Steigungsstrecken im Gebirge die Streckenlänge zu erhöhen, wodurch die Steigung geringer ausfallen kann. Diese Bauart vollführt unterirdisch einen Richtungswechsel von 180 Grad. Das Prinzip wurde erstmalig 1863 beim Bau der Schwarzwaldbahn genutzt. siehe auch: Kehrschleife Ein Kreiskehrtunnel dient dem gleichen Zweck, nur dass der Tunnel wie eine Schraubenlinie einen Richtungswechsel von 360 Grad vollführt. Der einzige Tunnel dieser Bauart ist in Deutschland der 1.700 m lange Große Stockhalde-Kehrtunnel der Wutachtalbahn. Im Hochgebirge wurde sie öfter ausgeführt, so zum Beispiel auf der Gotthardbahn-Südrampe.
Tunnelbau Der Bau von Tunneln erfolgt in geschlossener oder in offener Bauweise (siehe Tunnelbau). Bei der geschlossenen Bauweise erfolgt die Herstellung bergmännisch in der Neuen Österreichischen Bauweise mittels Bohr- und Sprengvortrieb beziehungsweise Baggerausbruch oder maschinell mittels einer Tunnelbohrmaschine. Beim Tunnelbau in offener Bauweise erfolgt die Herstellung des Tunnelbauwerks in einer offenen Baugrube, die anschließend wieder verfüllt wird.
Tunnelgeschichte Vorläufer der Tunnel waren die unterirdischen Be- und Entwässerungskanäle, die bereits von den antiken Griechen (beispielsweise Samos: der zur verdeckten Wasserversorgung ca. 530 v. Chr. gebaute Tunnel des Eupalinos), besonders von den Römern ausgeführt wurden (beispielsweise Ableitung des Fucino-Sees, 5,6 km langer Tunnel, Mitte des 1. Jahrhunderts, Zuleitung der Trinkwasserleitung am Pont du Gard). Aufgrund von Resten antiker Schachtbauwerke in der Umgebung von Dover geht moderne Forschung davon aus, dass bereits die Römer sich mit dem Gedanken eines Ärmelkanaltunnels nicht nur theoretisch beschäftigt haben. Nördlich der Alpen gab es in Deutschland vor dem Zeitalters des Eisenbahnbaus nur 4 Tunnel, zu denen der Tiergarten-Tunnel in Blankenheim/Eifel gehört. Sie wurden möglicherweise durch Bergleute angelegt und befanden sich häufig in Nachbarschaft zu Klöstern, die möglicherweise Zugang zu antikem Wissen (Bibliotheken) hatte. Die Einführung des Schwarzpulvers zur Gesteinssprengung bewirkte im 17. Jahrhundert mehr Aufmerksamkeit (beispielsweise 1679 bis 1681 der 157 m lange Malpas-Tunnel für den Canal du Midi und der Schiffs-Tunnel von Weilburg a. d. Lahn) für den Tunnelbau beim Ausbau der Schiffskanäle in England, Frankreich und Italien. Der 1789 eröffnete Sapperton Tunnel im Thames & Severn Canal in England durch Swarovski Hügel gegraben, war 3,5 km lang und zum Transport von Kohlefrachtern gebaut. Auch der 2.869 m lange Norwood-Tunnel in England ist ein weiteres Beispiel. Durch den 4.880 m langen Mauvages-Tunnel im Rhein-Marne-Kanal im Elsaß werden Boote und Schiffe heute mit einer Elektrolokomotive getreidelt. Der erste Verkehrstunnel unter einem Fluss wurde am 1. Januar 1869 in Chicago eröffnet. Der erste Flusstunnel auf dem europäischen Kontinent war der am 7. September 1911 eröffnete Elbtunnel in Hamburg. Die ersten Eisenbahn-Tunnel schuf George Stephenson auf der Strecke Liverpool - Manchester 1826 bis 1830. 1837 bis 1839 wurde auf der Strecke Leipzig - Dresden bei Oberau der erste deutsche Eisenbahn-Tunnel gebaut. Die großen Gebirgs-Tunnel ermöglichte erstmals die Erfindung des Dynamits und der mit Druckluft betriebenen Gesteinsbohrmaschinen.
Tunnelsicherheit In Tunneln kann ein funktionierendes Sicherheitssystem im Falle eines Unfalls oder Brandes Leben retten. Dafür muss beim Bau eines Tunnels verschiedenes mit eingebaut werden. Belüftungsanlage mit Strahlventilatoren und evt. Belüftungsschächten Anlage zur Sichttrübungsmessung Anlage zur Windgeschwindigkeitsmessung Sprinkleranlage und für die Feuerwehr Löschwasserentnahmestutzen Fluchtweghinweise mit Entfernungsangabe und Fluchtwegbeleuchtung Notrufnische mit Notrufanlage und mit Feuermelder und Feuerlöscher Abflusssystem für brennbare Flüssigkeiten Überwachungskamera Nothaltebuchten bei Straßentunnel Zahlreiche schwere Unfälle in Tunneln (Siehe Katastrophen im Straßenverkehr und Schienenverkehr) zeigen immer wieder, das viele Tunnel nur über ein schlechtes Sicherheitssystem verfügen. Trotz aller dieser Maßnahmen kann vor allem in Straßentunnels keine hundertprozentige Sicherheit gewährleistet werden. Auch die Benutzer müssen sich der Gefahren bewusst sein und sich an die Regeln halten, wie: Fahrzeugbeleuchtung einschalten Fahrgeschwindigkeit reduzieren Sicherheitsabstand einhalten Autoradio mit Verkehrsfunk einschalten Auch die Umstellung der Lichtverhältnisse der Augen beachten Nicht stehen bleiben im Tunnel.
Die längsten Eisenbahn- oder Straßentunnel: Gotthard-Basistunnel 57 km Schweiz (noch nicht fertiggestellt) Seikan-Tunnel 53,90 km Japan (der momentan längste Tunnel der Welt) Eurotunnel 49,94 km Frankreich/Großbritannien Lötschberg-Basistunnel 34,6 km Schweiz (noch nicht fertiggestellt) Lærdaltunnel 24,50 km Norwegen Dai-Shimizu 22,17 km Japan Simplon II 19,82 km Italien/Schweiz (der längste Gebirgstunnel der Welt) Vereina-Tunnel 19,00 km Schweiz (der längste Meterspur-Eisenbahntunnel der Welt) Shin-Kanmon 18,68 km Japan Apennintunnel 18,49 km Italien St.-Gotthard-Straßentunnel 16,32 km Schweiz Rokko 16,25 km 16,25 Japan Furka-Basistunnel 15,35 km Schweiz St.-Gotthard-Bahntunnel 15,00 km Schweiz Lötschberg 14,60 km Schweiz Arlberg-Tunnel 13,98 km Österreich Fréjus-Tunnel 12,90 km Frankreich/Schweiz Ping-Lin 12,90 km Taiwan Inntaltunnel (Umfahrung Innsbruck) 12,70 km Österreich Cascade 12,54 km Washington (USA) Eisenbahntunnel von Seeland bis Sprogø zur Großen Beltbrücke 8 km Dänemark/Schweden
Weblinks http://www.eurotunnel.com/ (auf Englisch oder Französisch) http://www.canaldumidi.com/ (in Französisch, mit Foto des Malpas-Tunnel) |