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Álvaro Siza

Álvaro Joaquim de Melo Siza Vieira (* 25. Juni 1933 in Matosinhos, Portugal) ist ein zeitgenössischer portugiesischer Architekt. Seine Bauten finden weltweit Beachtung, er wurde mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet.

Das Zentrum Sizas internationalen Wirkens ist in Porto (Portugal), wo er an der Architekturfakultät lehrt und ein Architekturbüro betreibt.

Biographie

Von 1949-1955 studierte er an der Hochschule für Schöne Künste Porto Architektur. Bis 1958 arbeitete er im Büro seines Professors Fernando Távora. Von 1966 bis 1969 hatte er eine Assistentenstelle an der Hochschule für Schöne Künste Porto, ab 1976 eine Professur.

Siza war Gastprofessor an der Polytechnischen Hochschule von Lausanne, an der Unversität von Pennsylvania, an der Los Andes Hochschule von Bogotá sowie "Kenzo Tange Visiting Professor" an der Graduate School of Design of Harvard University. 1992 wurde ihm von der Universität von Valencia und 1993 von der Ecole Polytechnique Federale of Lausanne die Ehrendoktorwürde verliehen.


Allgemeines zur Architektur Sizas


Der Boa Nova Tee Pavillon integriert sich in die Landschaft

"Sinnlich" ist wohl das Wort, das die Architektur Sizas am besten umschreibt. Trotz der Konzentration auf das Wesentliche und der folglichen Reduktion der Elemente, der Räume und der Materialien gelingt es Siza in seinen Projekten immer wieder eine außergewöhnliche Spannung zu erzeugen. Seine Räume sind nicht mathematisches Produkt aus drei Dimensionen, sondern Summe von konstruierten sensualen Eindrücken: Licht, Klang, Oberfläche, Bewegung... eine Komposition.

Teil dieser Komposition ist immer auch die Umgebung des Bauwerks. Seine Gebäude scheinen sich in ein Gleichgewicht unsichtbarer Kräfte einzuordnen, die der Landschaft entspringen. Auf diese Weise erreicht er eine Haltung größtmöglichen Respektes der Natur gegenüber, und die Künstlichkeit des Eingriffs, den jedes architektonische Projekt mit sich bringt, kann so Rechtfertigung erlangen.

Bemerkenswert ist die Konsequenz dieser Integration, die sich in allen Maßstäben und architektonischen Themen niederschlägt.

Siza ist berühmt für seine Skizzen. In ihnen hält er komplexe Situationen fest und erleichtert deren Verständnis. Sie stellen eine Dialektik zwischen seiner kreativen Intuition und dem Nachweis der architektonischen Qualität her und werden so zum wichtigsten Kreativ-Werkzeug des Architekten. Schon in den ersten Skizzen zu seinen Projekten findet man viele der späteren Qualitäten des Entwurfes wieder.


Biographischer Überblick



Ausgewählte Projekte


Der Blick aufs Meer - eingearbeitet in die schroffe Steinküste


1958-1963 Boa Nova Restaurant, Leça da Palmeira

Der Tee Pavillon ist Sizas erstes großes und eigenständiges Werk. Nachdem Siza den Wettbewerb zum Boa Nova Pavillon noch als Mitarbeiter Fernando Távoras begann, zeichnet er für die Ausführung des Projektes bereits eigenständig.

Der Pavillon liegt an der Atlantikküste nördlich der Duero-Mündung unweit Sizas Geburtsorts Matosinhos. Riesige, rundgewaschene Steine wechseln sich hier mit Sandstrand ab. Fast versteckt liegt der flache Bau zwischen den Brocken und zieht sich unter sein großes Ziegeldach zurück. Die Terrasse zum Meer hin liegt inmitten der herrlichen Flora der Steinküste.

Im Innern teilt sich das Gebäude in einen Speisesaal und eine lounge-artige Teestube. Aus beiden hat man einen wunderschönen Blick über den Atlantik, der bei schönem Wetter durch im Boden versenkbare Fenster noch gesteigert werden kann. Zur Landseite hin befinden sich Küche und Lagerräume.


Strandbad Leça da Palmeira


1961-1966 Strandbad Leça da Palmeira

Unweit des Boa Nova Pavillons findet sich das Strandbad von Leça da Palmeira. Es handelt sich um eine simple Betonkonstruktion, die zwischen den steinigen Bereichen des Strandes Becken schafft, in denen man vor den Wellen des tosenden Atlantiks geschützt ein Bad genießen kann. Es ist herrlich anzusehen, wie immer wieder größere Wellen in das Becken schwappen und das sonst ruhige Wasser ein wenig anregen, und so dem künstlich geschaffenen Bad einen poetischen Hauch von Natur zurückgeben.

Zum Komplex gehören auch eine Bar, Umkleidekabinen, und technische Anlagen zur Kontrolle der Wasserqualität.


1980-1984 Haus "Avelino Duarte", Ovar

Anhand des Entwurfs des Hauses Avelino Duarte wird Siza häufig mit Adolf Loos in Verbindung gebracht, der als Pionier der Moderne in der Architektur gilt. Der äußerlich sehr schlichte verputzte Bau schafft im Innern durch die gekonnte Benutzung von Holz und Naturstein athmosphärische Räume.

Das Siza Loos studiert hat steht außer Frage, doch geht Siza über die Theorien Loos' hinaus. War Loos im Umgang mit Materialien noch stakt flächenorientiert und beschäftigte sich mit deren Schichtung, was sicher nicht zuletzt durch die Einflüsse des Jugendstils in Österreich und Süddeutschland zustande kam, gegen den er sich wandte, so führt Siza scheinbar dessen Tradition fort, doch in einer viel räumlicheren Denkweise.


Viele kleine Erinnerungsstücke, beispielsweise aus einem Urlaub im Südlichen Europa (Spanien, Portugal, Italien...) können zu Hause in einer Vitrine oder einem Setzkasten wunderbar verwahrt werden. In einer Sammlervitrine sind sie immer zu betrachten.

1980-1984 Wohngebäude "Bonjour Tristesse" Schlesisches Tor, Berlin




Universitätsbibliothek von Aveiro


1988 Universitätsbibliothek von Aveiro

Die Universität von Aveiro wurde direkt nach der Nelkenrevolution 1974 gegründet und ist so Ausdruck von Reformen in Gesellschaft und Bildungssystem eines im Umbruch befindlichen Portugals. Dies kommt auch in städtebaulicher und architektonischer Hinsicht zum Ausdruck. Der Campus besteht aus streng geordneten gleichgroßen Zeilenbauten die sich um einen zentralen Platz anordnen, dies jedoch ohne zu hierarchisieren. Ein räumliches Konzept, das im krassen Gegensatzt zu den traditionellen über Jahrhunderte gewachsenen Universitäten Portugals steht. Nur wenige Swarovski Baukörper brechen aus dieser Ordnung aus, darunter die Bibliothek. Ihr Volumen scheint denen der anderen Körper zu ähneln, doch ist sie um 90° gedreht und orientiert sich dadurch zur weitläufigen Ria-Landschaft.

Ihr Äußeres wird durch den Kontrast roter Ziegelflächen zu hellem Naturstein bestimmt, ein verbreitetes Materialthema auf dem Campus.

Internetseite der Universität (http://www.ua.pt)

Virtueller Besuch der Bibliothek (Panoramabilder) (http://www.doc.ua.pt/outros/visita_virtual.asp)


1991-1998 Museum für zeitgenössische Kunst Fundação Serralves, Porto

Webseite des Museums über das Gebäude (http://www.serralves.com/ing/ms_museu_serralves.html)


1995-1998 Portugiesischer Pavillion Expo'98, Lissabon




1999-2000 Portugiesischer Pavillion Expo 2000 Hannover




2003 Städtebaulicher Entwurf Alcântara, Lissabon

Siza schlug im Rahmen eines von ihm angefertigten städtebaulichen Entwurfs vor, drei Hochhäuser im Stadtteil Alcântara von Lissabon zu errichten. Nahe der historischen Brücke 25 Abril würden die Türme den Stadteingang über die Tejobrücke flankieren. Der höchst umstrittene Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Manche Quellen unterstellten Siza Polemik und behaupteten, der Vorschlag wäre niemals ernst gemeint gewesen, sondern als Anstoss einer Diskussion des Hochhausthemas im historischen Stadtgefüge gedacht.


Auszeichnungen

Unter den unzähligen Preisen die Álvaro Siza Vieira für seine Arbeit erhielt sind folgende besonders hervorzuheben:

(1982) Preis für Architektur der port. Sektion der International Association of Art Critics

(1987) Preis der Portugiesischen Architektenvereinigung

(1988) wurde Álvaro Siza der Mies van der Rohe Award for European Architecture für das Bankgebäude der Banco Borges e Irmão, Vila do Conde (Portugal) verliehen. Der Preis wird biennal, also alle zwei Jahre, vergeben - 1988 zum ersten Mal. Mies van der Rohe Preis - Preis für zeitgenössische Architektur der Europäischen Union (http://www.miesbcn.com/en/history.html) (englisch, aber über die Hauptseite auch in spanisch und katalanisch zu haben)

(1988) Goldmedaille der Spanischen Architektenkammer Consejo Superior de los Colegios de Arquitectos de España (http://www.cscae.com/) (spanisch)

(1988) Goldmedaille der Alvar Aalto Foundation (Alvar Aalto Foundation (http://www.alvaraalto.fi/))

(1988) Prince of Wales Prize in Urban Design der Harvard-Universität für den Wohnungsbau Quinta da Malagueira, Évora (Portugal)

(1992) Pritzker Architektur Preis für sein Lebenswerk

(1998) Praemium Imperiale

(2001) Wolf-Preis

(2002) Goldener Löwe auf der Biennale Venedig


Weblinks

http://www.alvarosiza.com/ (Visitenkarte?)

http://www.instituto-camoes.pt/bases/siza.htm (nur portugiesisch aber sehr umfangreich)

http://html.rincondelvago.com/escrits_alvaro-siza.html (spanisch)


Literatur

Prof. Dr. Jacinto Rodrigues: "Álvaro Siza / obra e método", Livraria Civilização Editora 1992, ISBN 972-26-1099-6

Peter Testa: "Alvaro Siza", Birkhäuser 1996, ISBN 3-7634-5598-0

Alvaro Siza: "Stadtskizzen", Birkhäuser 1994, ISBN 3-7643-2820-7


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