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Architekten und Architektur Mit Architektur (von griech.: αρχη = Anfang, Ursprung und lat.: tectum = Haus, Dach) wird die Baukunst bezeichnet, also die (gute und ästhetische) Gestaltung von Bauwerken und Gebäuden. Der oder die Baukunst Schaffende wird als Architekt bezeichnet.
Die Reichstagskuppel von Norman Foster in Berlin Da Architektur die einzige praktische Kunst ist, die neben dem ästhetischen Wert auch einen Gebrauchswert hat steht sie immer im Spannungsfeld von Kunst und Funktion. Wo das "profane Bauen" ohne besondere Ansprüche aufhört und Architektur anfängt ist nicht eindeutig definierbar. In unserem Sprachgebrauch gelten Bauwerke nur dann als Baukunst oder Architektur, wenn eine hervorstechende Qualität festzustellen ist. Architektur manifestiert sich immer in einem einzelnen Gebäude. Dessen Gestalt wird beeinflusst durch klimatische, technische, topologische und finanzielle Randparameter. Daneben haben aber auch religiöse und politische Gegebenheiten massiven Einfluss auf die Architektur. Vor allem die repräsentative Architektur ist daher der sichtbare Ausdruck einer Gesellschaftform. (BSP: Schloß Versailles als Ausdruck des Absolutismus. Die Architektur ist somit ein ganz wesentlicher Teil der Kulturellen Identität einer Gesellschaft. Einen guten Einstieg in die Thematik bietet auch das Portal Architektur und Bauwesen.
Weitere Definitionen Architektur ist eine sehr komplexe und nicht klar abgrenzbare Disziplin. Die Sicht auf die Architektur ist abhängig von Wissensstand und persönlicher Haltung sehr verschieden, so dass es unzählige Definitionen gibt, was Architektur ist. Je nach Person können sich diese Definitionen auch widersprechen:
Die menschlichen Proportionen nach Vitruv Skizze von Leonardo da Vinci Architektur ist schon im ursprünglichen antiken Wortsinn ein umfassender und vielschichtiger Begriff. Von seinen zwei altgriechischen Wortwurzeln bezeichnet die eine (arch-) das Anfangen, Anführen und Unternehmen, die andere (tekton) das Erfinden, Hervorbringen, Verfestigen, Bilden und Bauen (speziell das Zimmern, das Bauen mit Holz). Im Beruf des Architekten vereinigen sich alle diese Tätigkeitsfelder. Architektur ist eine Summe schöpferischer Tätigkeiten (dtv-Atlas Baukunst, deutscher Taschebuch Verlag, München 1974) Nach Vitruv basiert Architektur auf drei Prinzipien: Schönheit (Venustas), Stabilität (Firmitas) und Nützlichkeit (Utilitas). Aus: De Architectura Architektur ist Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefügt oder verändert werden könnte, ohne das Ganze zu zerstören. (Leon Battista Alberti, "De re aedificatoria", 1485) Architektur ist, unabhängig davon, wie profan oder anspruchsvoll der Zweck ist, dem sie dient, letztlich die Gesamtheit der durch Menschenhand veränderten Umwelt und damit eine kulturelle Leistung der Menschen (Meinhard von Gerkan: “Die Verantwortung des Architekten”, 1982) Architektur ist die kulturelle Komponente des Bauens (Urheber unbekannt) Architektur und Städtebau sind weder kultureller Luxus noch entbehrliche Dekoration. Vielmehr erwächst aus diesen grundlegenden Bausteinen einer Stadt lebenswerte Umwelt und städtische Identität. (Aus der Zielsetzung des Wiesbadener Architekturzentrum) Unser Alltag wird zu einem wesentlichen Teil durch die Architektur bestimmt, die uns Tag für Tag umgibt. [..] Die Architektur schafft den notwendigen baulichen Rahmen, in dem wir uns bewegen. Ohne Architektur wäre die menschliche Gesellschaft nicht denkbar. (Jürgen Tietz, „Geschichte der Architektur des 20. Jahrhunderts“ Könemann Verlagsgesellschaft) Architektur hat mit Kunst nichts zu tun, ist reine Gedankenarbeit. Architektur entsteht heute nach ökonomischen, konstruktiven und funktionellen Gesetzmäßigkeiten. Wir stehen im harten Kampf mit der Wirklichkeit. Und wenn dann noch etwas Ähnliches wie das, was man mit dem Attribut Kunst bezeichnet dazukommt, dann kann man in seinem Leben von einem unwahrscheinlichen Glück sprechen. (Egon Eiermann in Grosse Architekten HäuserBuch- Verlag) Architektur ist Wissen um die Technik, Empfänglichkeit gegenüber der künstlerischen Seite der Angelegenheit (Arne Jacobsen) Die Baukunst ist auch eine Kunst. [..] Verglichen mit zeitgenössischer Musik oder Malerie hat Architektur ein viel größeres Potential, normale Leute abzuholen, weil etwas einfach sehr gut funktioniert, etwas praktisch ist und schön. (Peter Zumthor)
Geschichte Die Geschichte der Architektur ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Sie hat sich von einfachen Kultbauten bis zur heutigen High-Tech-Architektur entwickelt. Einen Überblick der einzelnen Swarovski Entwicklungsschritte findet man unter dem Stichworten Architekturgeschichte beziehungsweise Baustil.
Bedeutung Der moderne Mensch ist ununterbrochen von Gebäuden und Architektur umgeben. Sie kann Stimmung und Psyche positiv wie negativ beeinflussen. Auch auf die physische Gesundheit kann sie Einfluss haben. Architektur hat also für jeden Menschen eine sehr konkrete Bedeutung und bestimmt das alltägliche Leben viel stärker als Musik, Literatur oder Malerei. Die Qualität des Lebensumfeldes sollte der Gesellschaft daher ein wichtiges Anliegen sein. Nur ein Teil aller Bauwerke und Gebäude ist von Architekten geplant. In wirtschaftlich wenig entwickelten Gebieten wird der überwiegende Teil in Eigenbauweise oder durch Handwerker ohne viel Planung errichtet. In den Industrienationen herrscht die standardisierte Produktion von Gebäuden vor. Architekten spielen im gesamten Bauwesen oft nur eine Nebenrolle und werden vor Allem bei komplexen Planungen oder repräsentativen Bauwerken hinzugezogen. Daraus resultiert auch die weit verbreitete Meinung, Architektur bezöge sich nur auf besondere Gebäude und sei vom "profanen" Bauen zu differenzieren. Die negativen Folgen dieser Abgrenzung zwischen Architektur und Bauen sind in allen modernen Städten sichtbar. In Deutschland versucht die Initiative Architektur und Baukultur, das Bewußtsein für die hohe Bedeutung der Architektur zu stärken. In Deutschland ist die gute Architektur bisher nicht gesetzlich als Staatsziel oder Kulturgut anerkannt, während zum Beispiel Frankreich schon seit 1977 und Finnland seit 1998 eine dementsprechende Gesetzgebung haben.
Wichtige Themen Bestimmte Themen beschäftigen die Architekten immer wieder, unabhängig von Stil und Epoche. Diese Themen sind bei jedem Entwurf, der ja immer ein Unikat ist neu zu bedenken.
Beziehung zur Umgebung Das idealisierte Leitbild der Architektur ist der Entwurf eines Bauwerks, das mit der Umgebung in vielschichtiger Art und Weise in Verbindung steht. Die statische Beziehung wird auf einfachster Ebene durch Formgebung, Farbgestaltung und Materialauswahl hergestellt.
Fassade
Formgebung
Ideelle Bedeutung Jedes Gebäude macht durch seine Gestalt eine Aussage zu seiner Funktion oder Bestimmung (zum Beispiel: französische Nationalbibliothek in Form von vier aufgeklappten Büchern). Die dynamische Beziehung bestimmt das Leben innerhalb des Bauwerks (Schaffen von Lebensräumen) sowie außerhalb durch die Gestaltung der Verkehrswege vom und zum Bauwerk. Im äußersten Fall erreicht der Architekt durch sein Werk eine Akzeptanz bei der Bevölkerung, das in diesem ein Symbol seiner Werte und Lebenseinstellung sieht (zum Beispiel: Eiffelturm in Paris, der nur für die Dauer der Weltausstellung 1878 dort stehen sollte, und bis heute ein Sinnbild für Paris ist).
Raum Die Definition, Fügung und Gestaltung von Räumen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Architektur. Das bezieht sich sowohl auf den Außenraum (Stadtraum, Platzraum, öffentlicher Raum, privater Raum), als auch auf den Innenraum.
Berührungspunkte
"Laien" Das Thema Architektur wird in Deutschland nur selten in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Während andere Künste wie zum Beispiel Musik, Design und Mode für viele Menschen durchaus ein Gesprächsthema sind, wird die Debatte über zeitgenössische Architektur oft den Fachleuten überlassen. Die Verantwortung für die gebaute Umwelt liegt aber nicht allein in der Verantwortung der Architekten. Ihr Einfluss wird oft überschätzt. Im Wesentlichen ist es der jeweilige Bauherr, der die Richtung vorgibt. Er wählt den Architekten, der natürlich seine eigenen Ideen und Standpunkte hat (denn sonst wäre er handlungsunfähig) aus und macht die Vorgaben. Es ist daher äußerst wichtig, dass Architektur als gesamtgesellschaftliches Thema wieder wichtiger wird.
Musik Musik und Architektur gehören seit langer Zeit zum menschlichen Kulturgut. In der griechischen und römischen Antike waren sie viel enger miteinander verknüpft als dies heute der Fall ist. Architekten, Musiker und Philosophen haben in den Jahrhunderten nicht nur immer wieder Verbindungen zwischen den beiden Künsten gesucht und auch geschaffen, sondern sich auch wechselseitig neue Impulse gegeben. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling sagte im Jahre 1859: Architektur ist erstarrte Musik. In ähnlicher Weise ist bei Arthur Schopenhauer zu lesen: Architektur ist gefrorene Musik. Neben den Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten auf der geistigen Ebene gibt es auch pragmatische Berührungspunkte der beiden Künste. Musiker waren zu jeder Zeit abhängig von den Räumen, die ihnen zur Verfügung standen. Die Eigenschaften eines Aufführungsraumes sind wichtig für die klangliche "Gestalt" der Musik. Beispiele für die starke Wechselbeziehung: Musik wird zu Architektur: An der Fassade des Palazzo Rucellai in Florenz hat Leon Battista Alberti Intervallverhältnisse zu einem kunstvollen Proportionsgefüge verknüpft. Steven Holl übertrug ein „Stretto“ von Béla Bartók in die Architektur. Architektur wird zu Musik: Guilleaume Dufay (1400-1474) komponierte seine Motette Nuper rosarum flores zur Einweihung des von Brunelleschi vollendeten Florentiner Domes. Musik im Einklang mit der Architektur: Der griechische Komponist und Architekt Iannis Xenakis entwarf für die Weltausstellung 1958 in Brüssel den Philips-Pavillon. Der Pavillon war die architektonische Umsetzung seines Orchesterwerkes Metastaseis. Architektur als Klangkörper für Musik: Der Architekt Renzo Piano und der Komponist Luigi Nono präsentierten gemeinsam mit dem Toningenieur Peter Haller das Projekt „Il Prometeo“. Dazu wurde in einer venezianischen Renaissance-Kirche ein hölzerner Klangkörper eingebaut, der Auditorium und Musikinstrument zugleich war.
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