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Wasserturm

Ein Wasserturm dient zwei Zwecken: Zum einen ist er ein Gebäude, das zur Speicherung von (Trink-)Wasser dient. Zum anderen wird durch die erhöhte Lage der Speicherbecken der Druck im Wassernetz der Stadt konstant gehalten.


Funktionsprinzip

Die Gebäude der Stadt werden allein durch die Schwerkraft mit Wasser versorgt. Der Behälter hängt wie ein normaler Abnehmer am Netz. Bei geringem Trinkwasserverbrauch wird er aufgefüllt, bei Verbrauchsspitzen leert er sich. Auf diese Weise wird der Druck im Netz immer konstant gehalten. Es werden keine weiteren Pumpen benötigt als die, die den Turm befüllen. Damit das System funktioniert, darf kein Abnehmer höher als der oberste Einspeisungspunkt des Turmes liegen (Prinzip der kommunizierenden Röhren bzw. Hydrostatisches_Paradoxon).


Konstruktion

Wassertürme unterscheiden sich sowohl in Hinblick auf die die Behälter (Intze-Behälter / Hängebodenbehälter / Kugelbehälter) als auch in der äußeren Erscheinung. Es gibt massive Türme (Backstein, Beton), im industriellen Bereich kamen allerdings hauptsächlich Stahl-Skelett-Konstruktionen zum Einsatz.


Geschichte


Wasserturm im Naturpark Obere Donau bei Beuron

Wassertürme entstanden in Deutschland in großer Zahl seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Beginnend mit der Notwendigkeit der Wasserversorgung der Dampflokomotiven auf dem sich ab 1840 rasant über den deutschen Staaten ausbreitenden Gleisnetz, entstanden die ersten Wasserhochbehälter. Diese waren noch keine selbständigen Turmbauten, sondern als bloße Vorratsgefäße in Bahnhofsbauten integriert.

Die öffentliche Versorgung mit sauberem Trinkwasser wurde in der Gründerzeit, der Zeit der zunehmenden Verstädterung und damit einhergehend, der Verschlechterung der Lebensumstände zum Problem. In dieser Zeit errichtete Swarovski Wasserwerke mit großen Reservoirs und Hochbehältern trugen in Verbindung mit Versorgungs- und Abwasserleitungen wesentlich dazu bei, Epedemien vorzubeugen. Ohne die Versorgung der Industriestädte mit ihren häufig sehr beengt lebenden proletarischen Bevölkerungsmassen und große Mengen von Abwasser erzeugenden Betrieben kam es zuvor immer wieder zu Epidemien großen Ausmaßes. Als "musterhaft" dafür kann die letzte große Choleraepidemie in Hamburg (1892) gelten.




Umnutzung von Wassertürmen

Heute sind die noch erhaltenen Wassertürme nicht selten eindrucksvolle bauliche und technische Denkmäler. Ihr Erhalt ist jedoch gefährdet, da sie zunehmend durch erdnahe Speicherbecken mit Pumpanlagen ersetzt werden. Verfall oder Abbruch sind die Folge.

Eine Alternative zum Abriss ist die Umnutzung der Wassertürme. Zwar gehen dadurch oft die technischen Einbauten (Speicherbecken und Pumpenanlagen) verloren, aber so kann wenigstens die Hülle erhalten werden. Die Erhaltungkosten des Gebäudes stehen bei einer sinnvollen Nutzung des Gebäudes in (einigermaßen) reellem Bezug zum Nutzen.

Draußen im Garten schafft der Landschaftsarchitekt wahre Kunstwerke. Im Hause kann die liebevoll zusammengestellte Sammlung aus Kostbarkeiten in einer Glasvitrine , Sammlervitrine ,oder einem Setzkasten den Räumen einen ähnlichen Glanz verleihen.


Wasserturm Bocholt nach der Umnutzung 2001


Über die eigentliche Funktion hinausgehende Nutzung

Manche Wassertürme werden auch als Aussichtsturm genutzt. Es gibt sogar Wassertürme mit einem Turmrestaurant wie dem Goldbergturm in Sindelfingen. Im Regelfall gelangen bei Wassertürmen mit Aussichtsplattform die Besucher mit einem Aufzug zur Aussichtsplattform.

Weit verbreitet ist auch die Nutzung von Wassertürmen als Standort von Sendeeinrichtungen im UKW-Bereich mit kleiner Leistung, wie für den nichtöffentlichen Landfunkdienst und den Mobilfunk.



Beispiele

umgenutzte Wassertürme:

Wasserturm in Bebra -> Museum

Wasserturm (http://mitglied.lycos.de/thomasaltrogge/referate/ref_wasserturm.html) in Bocholt -> Schulgebäude

Wasserturm (http://www.wasserturm.net) in Lüneburg -> soziales Zentrum

Aquarius-Wassermuseum in Mülheim an der Ruhr -> Museum

Wasserturm (http://www.wasserturm.de) in Neunkirchen -> Kulturzentrum

Hotel im Wasserturm (http://www.hotel-im-wasserturm.de) in Köln -> Hotel

Wasserturm (http://www.dinnebier-licht.de/germany/firma/lichtturm/g-lichtturm1.htm) in Solingen -> Lichtturm, Labor und Veranstaltungsort

Wasserturm (http://www.wien.gv.at/ma31/wasweg13.htm) in Wien (Aus) -> Ausstellungsraum

Daneben existiert auch noch die Möglichkeit der Umnutzung als Funkturm. In diesem Fall sieht man den Bauwerk nicht an, ob er noch als Wasserturm genutzt wird oder nicht, da die Nutzung als Funkturm auch eine Zusatznutzung sein kann. Aus diesen Grund sieht man vielen Wassertürmen nicht an, ob sie noch für ihren ursprünglichen Zweck genztzt werden oder nicht.



genutzte Wassertürme:

Goldbergturm


Literatur

Thomas Wieckhorst : “Wassertürme neu genutzt”, Meininger Verlag, 1996, ISBN 3-87524-112-6

Einen guten Überblick über die Geschichte, Funktion (- und Zerstörung! -) vieler Wassertürme in Norddeutschland bzw. in Hamburg erhält man in den beiden aktuellen Büchern:

Jens U. Schmidt: Wassertürme in Hamburg, 1. Auflage, 2003, ISBN 3-932292-44-8

Nils Aschenbeck / Jens U. Schmidt: Wassertürme im Nordwesten, 1. Auflage, 2003, ISBN 3-89995-006-2

Jan Werth, Ursachen und technische Voraussetzungen für die Entwicklung der Wasserhochbehälter, München 1971



Weblinks

Deutsch Internationale Wasserturm Gesellschaft (http://www.wasserturm-gesellschaft.de/)

Bildergalerie (http://www.tfh-berlin.de/~rau/wt-galerie.html)

http://www.wasserturm.biz/brd/linkliste_alpha.php (http://www.wasserturm.biz/brd/linkliste_alpha.php) - weiterführende Linkliste

http://www.zagermann.de/proj/waturm/baufrmn.html (http://www.zagermann.de/proj/waturm/baufrmn.html) - Bauformen von Wasserhochbehältern

Liste von Wassertürmen (http://www.structurae.de/de/structures/ftype/f2015.cfm)

Wassertürme in Baden-Württemberg (http://wasserturm-web.de/tabellenansicht.html)


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